Vom Solarzentrum zur Mediaspree Ein durchaus ambitioniertes Berliner Energieprojekt, das in der Koalitionsvereinbarung des CDU/SPD Senats von 1996 ausdrückliche Erwähnung fand, war das "International SolarCenter" kurz ISC am Stralauer Platz auf der östlichen Spreeseite in Friedrichshain/Kreuzberg. Labors und Werkstätten waren darin vorgesehen sowie sonstige qualifizierte Leistungsträger. Vor allem aber sollte die Solararchitektur des Gebäudes die Nutzung der Sonnenenergie sowohl in aktiver als auch i passiver Weise vorbildhaft demonstrieren, als Multiplikator zur Nutzung Erneuerbarer Energien dienen und die Baukultur des 21. Jahrhunderts mitprägen. Finanziert werden sollte das ISC durch eine "Private-Public-Partnership" sowie ergänzend durch Fördermittel der Europäischen Union, des Senats von Berlin und im Betrieb über Mieteinnahmen.
Als Pojektentwickler fungierte die Firma OPUS, Gesellschaft für Projektentwicklung mbH, eine 100%-ige Tochter der Wayss & Freytag AG mit Sitz in Frankfurt am Main und Berlin. 1995 begannen die konkreten Planungsvorbereitungen. Der Stararchitekt Helmut Jahn wurde mit Entwürfen beauftragt.
Drei Jahre später war Prjektentwickler OPUS Konkurs. Opus wurde dann an die Hollandse Betongroep verkauft, die später gegen den Verkäufer (AGIV) klagte.
Als Nachfolger trat im Herbst 1998 die HANSEATICA GmbH & Co-KG auf den Plan und arbeitete mit dem "Forum für Zukunftsenergie.V." in Gestalt von Walter Rasch (u.a. Ex-Schulsenator) weiter am nun deutlich abgespeckten Projekt "ISC". Helmut Jahn wurde in unbekannter Höhe abgefunden, nach außen hin schien alles, wenn auch auf schmalerer, Spur zu laufen. Wirklich? Über die HANSEATICA vermeldete das Handelsblatt vom 10.03.99 unter dem Titel "Hanseatica in Bedrängniss" eine eindeutige "finanzielle Schieflage" dieses Projektentwicklers zum Zeitpunkt der Übernahme des Projekts. Und das "Forum für Zukunftsenergien e.V.": Auf seiner Mitgliederliste sind neben z.B. dem Atomforum e.V., dem (Atom-)Forschungszentrum Jülich oder der Framatom GmbH aus Erlangen auch die Branchenriesen der atomaren und fossilen Energiewirtschaft verzeichnet, nämlich Eon, EnBW, Vattenfall und RWE. Das Forum ist nicht Mieter geworden, es war wohl zu laut auf der Spree bei der Eröffnung gab es lautstarke Proteste gegen die möglichen Mieter.
Die nun mit Duldung der Friederichshainer Baustadträtin Albinius Kloss (für die PDS) vorgenommene Umfirmierung des "Internationalen SolarCenters" zum "Zentrum Zukunftsenergien" (ZfZ) war in diesem Umfeld mehr als nur symbolischer Natur, sondern hatte programmatische Ausrichtung. Denn auch inhaltlich geriet das Projekt "ZfZ" immer stärker in Schieflage, die Förderung Regenerativer Energien war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr erstrangig. Die maßgeblichen Entwürfe für das Gebäude, welches den Ursprungsplänen zufolge ja Vorbildcharakter bezüglich der energetischen Gestaltung "an der Schwelle zum Solarzeitalter" haben sollte, wurden in unventwortlich kurzer Zeit zusammengeschustert. Sämtliche fortschittlichen Ansätze bezüglich der "Solararchitektur" und eines zukunftweisenden Energiekonzepts" wurden dem Zeitplan geopfert. Auch auf andere integrale Bestandteile des Ursprungskonzeptes wie dem "solaren Spiel- und Erlebnispark" nebenan oder einem Anleger für solarenergiebetriebene Wassertaxen wurde ganz verzichtet. Schließlich mussten die Fördermittel bei der EU bis zum 31.12.2000 abgerufen werden. Am Ende sollte zur Wärmeversorgung des "ZfZ" Wärme aus dem naheliegenden BEWAG-Kraftwerk Mitte geliefert werden und ganz "fortschrittlich, eine 5 kW Brennstoffzelle zur teilweisen Stromerzeugung beitragen.
Die Frage sei hier gestellt, ob die öffentlichen Fördermittel angesichts der reduzierten und veränderten Projektausrchtung zurecht geflossen waren, oder auch, ob die neuen Projektentwickler HANSEATICA und "Forum für Zukunftsenergien" bei deser Verfälschung des ursprüngchen Konzeptes das geistige Eigentum der eigentlichen Initiatoren missbrauchten. Rechtlich jedenfalls sind sie nicht zu belangen, denn so Walter Rasch in einem Meeting und vor Zeugen: "Wir haben die besseren Anwälte."
Und wie steht das Projekt heute da? Der Mietpreis lag im Mai 2005 bei ca.10,- Euro pro qm, deutlich weniger als kalkuliert, 40% der Flächen standen leer. Immerhin, als Veranstaltungsort wird die Immobilie genutzt. Im September 2005 findet im Rahmen der Woche der Zukunftsfähgkeit ein "Markt der Möglichkeiten" statt. Die Akteure waren bis auf wenige Besucher unter sich. Die PDS (logisch) machte ihre Parteiversammlung 2004 im "ZfZ". Die Grünen (mit kurzem Gedächtniss) veranstalteten im September 2006 einen Zukunftskongress, die Böll-Stiftung ebenfalls im September 2006 eine Art Kyoto-Folgekonferenz. Nur der Forschungsverbund Solarenergie führte seine Jahrestagung 2006 wegen der fürchterlihen Akustik nicht mehr im Atrium des Energieforum durch. Die Pläne und Zielsetzungen der ursprünglichen Initiatoren des Projektes "Internationales SolarCenter Berlin" sind passe. Der Anspruch "ökologische Standards für das 21. Jahrhundert mit Niedrigenergiehaus-Bauweise, Brennstoffzelle, innovativen solaren Komponenten und Systemen integrierter Sonnenenergienutzung (zu) demonstrieren" und als quasi "Leuchtturm" für die Regenerativen Energien internationale Strahlkraft zu entfalten, wurde mit dem Energieforum bestenfalls ansatzweise realisiert. Auch aus den Arbeitsplätzen für die Anwohner wurde nichts.
Am Ende entstand mit dem erheblichen Einsatz öffentlicher Mittel ein weiteres Feigenblatt-Projekt. Das "Energieforum" ist nichts weiter als ein, Energie fressendes Gebäude mit imerhin 20.000 qm Fläche auf dem vollkommen übersättigten Berlin Büroimmobilienmarkt und als solches gänzlich überflüssig. Vor dem Hintergrund der vielen guten Absichten und Ideen aber, mit denen das "Internationale SolarCenter Berlin" einmal gestartet ist und mit denen schließlch die nötigen Projektgelder akquiriert wurden, ist die De-Evolution des "ISC" zum "Energieforum" schlicht skandalös. Im Schatten der übrigen Zeugnisse von Pleiten Pech und Pannen in der Stadt jedoch fast harmlos. Der ehemalige Berliner Schulsenator Walter Rasch (FDP) hat weiter Karriere gemacht, übrigens, trotz einer Vorstrafe wegen Prospektbetrugs. Er polemisiert derzeit als Vertreter der Haus und Grundbesitzer gegen Wärmedämmung und andere Energiesparmaßnahmen.
Die Entwicklung der Spreeufer in der vorgesehenen Weise mit Anschutzhalle und anderen Petitessen ist ein städtebauliches Verbrechen. Der Senat von Berlin ist unfähig eine Zukunftweisende Entwicklung an diesem kostbaren Ort zu steuern. In den zusammengelegten Bezirken Friedrichshain und Kreuzberg hätte hier langfristig ein lebendiges Quartier mit höchsten ökologischen Standarts entwickelt werden müssen. Zukunftsfähigkeit demonstrieren. Statt dessen werden hier die Städtebaulichen Fehler der Vergangenheit nahtlos weiter zelebriert. Xonra 2008
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